Kontrovers – wieviel darf ich im Internet von mir preisgeben, um jemanden richtig kennen zu lernen?

Das Internet – eine erstaunliche neue Welt, in der nahezu alles möglich ist. Unter anderem lernen sich hierüber tagtäglich viele neue Paare kennen. Ob mir spezieller Partnerbörse oder unverfänglich über ein soziales Netzwerk oder einen Chat, die Liebe des Lebens wurde schon häufig über diesen Weg gefunden. Doch zugleich warnen Freunde, Familie und Experten davor im Internet zu viel von sich selbst preiszugeben. Wieviel darf also im Internet ausgeplaudert werden und was ist genug, um einen neuen Menschen wirklich kennen zu lernen?

Menschen kennen lernen heißt oft sich selbst kennen lernen

Sind wir doch mal ehrlich, wer jemand neuen kennen lernen möchte, möchte alles wissen und ebenso geht es wohl auch dem gegenüber. Viele stehen dann vor dem Problem nichts von sich selbst erzählen zu können – frei nach dem Motto: das eigene Leben ist nie so spannend wie das eines anderen. Ein toller Plausch mit einem fremden Mann oder einer fremden Frau kann da schon mal helfen. Denn eigentlich redet nahezu jeder gerne über sich selbst, was er erschaffen hat, was er täglich tut und wie er denkt. So ein kennen lernen kommt da oft zum rechten Zeitpunkt.

Im realen Leben treffen sich zwei Menschen und gehen eventuell einen Kaffee trinken, bei dem sie über sich selbst reden und sich so gegenseitig kennen lernen. Gestik und Mimik helfen einzuschätzen, was der andere denkt und ob es wahr ist, was er einem gerade erzählt. Zusätzlich können einige Dinge direkt gezeigt werden, wie z.B. eine Kette, die etwas Besonderes bedeutet. Kleinigkeiten, die viel über das eigene Leben erzählen.

Im Internet ist das anders

Vertrauen und Skepsis
Gesunde Skepsis und eine Portion Vorsicht bei der Partnersuche im Internet ist angebracht. Bild © Tony Hegewald / pixelio.de
Im Internet ist das anders, weil eben kein Austausch von Mimik und Gestik stattfindet. Vieles geht über einen geschriebenen Text. Unter Umständen wird vor dem ersten Treffen einmal telefoniert, eine Videoübertragung machen nur wenige. Menschen fällt es viel leichter etwas aufzuschreiben, als es in Worte zu fassen. Ein unbekannter Chatpartner kann sich somit einiges durchlesen. Das ins Plaudern geraten kann in den Fällen jedoch gefährlicher sein als viele annehmen. Denn niemand weiß, wer wirklich am anderen Ende der Leitung sitzt.

Die Polizei kann ein Lied davon singen, wie junge Frauen, die sich mehr Aufmerksamkeit wünschen, plötzlich Opfer eines Gewaltaktes werden. Sie erzählen von ihrer Wohngegend, geben dabei eventuell die genaue Adresse bekannt und fürchten sich anschließend vor hartnäckigen Stalkern. Vergewaltigungen und Einbrüche können weitere Folgen sein.

Es ist wichtig, dass Personen, die sich im Internet kennen lernen ebenso vorsichtig sind wie im realen Leben. Die komplette Lebensgeschichte an dem ersten Abend zu erzählen, kann in beiden Welten unangenehme Folgen haben.

Es ist nicht alles gefährlich

Viele übertreiben die Furcht vor dem Internet. Nicht alles ist schlecht und gefährlich. Es ist ebenso wie in der realen Welt auch. Hier kann ein Treffen in einem Café ebenso zu Hause landen, wie ein Treffen in einem Chatroom. Wichtig bei dem kennen lernen ist es, sich bewusst zu sein, dass es ein Fremder ist. Kindern wird beigebracht fremden mit einer gesunden Skepsis gegenüber zu treten, wieso vernachlässigen dies viele Erwachsene?

Ebenso wie bei einem echten Date, sollten einige Regeln beachtet werden. Erzählen Sie nicht direkt, wo Sie wohnen und nehmen Sie ihn nicht direkt mit nach Hause. Lernen Sie sich kennen, erzählen Sie von sich so viel, wie es beim Kennenlernen üblich ist. Seien sie wachsam und erkennen Sie die richtigen Menschen, denen Sie Ihr Vertrauen schenken können.